Den Informationen ihrer Nachfahren zufolge wurde der Baumeister Martin Rietsch (09.11.1869 - 23.06.1952) in Göritz, Kreis Schleiz, geboren und kam nach seiner Ausbildung nach Greiz. Er wohnte in Dölau, das 1922 nach Greiz eingemeindet wurde, und war Zeit seines Lebens als selbständiger Baumeister in dieser Region tätig.
Der Architekt und Bautechniker Arthur Weder (15.09.1879 - 02.11.1938) wurde in Ebersbach, Kreis Löbau, geboren und ging nach seiner Ausbildung in Dresden im Jahre 1906 nach Greiz. Nach Fertigstellung des Art-Déco-Hauses wohnte er laut Greizer Adreßbuch in einer der Wohnungen. Mit Ende des Ersten Weltkrieges zog Weder 1918 nach Berlin und errichtete als angestellter Architekt größere Bauten für die Deutschen Industrie-Werke und später für das Reichsbahnministerium. Als sein Schwiegervater Carl Weber 1930 starb, kehrte er nach Greiz zurück und übernahm dessen Bauunternehmung.
Ihre gemeinsame Firma Rietsch & Weder existierte nur relativ kurze Zeit. In Greiz war sie in den Jahren 1911 und 1912 mit Hochbau beschäftigt. Eine vage Vermutung ist, dass zumindest einer der beiden Firmeninhaber 1910 Paris besuchte, dort die gedanklichen Strömungen der späteren Art-Déco-Künstler aufnahm und diese dann mit dem hier vorgestellten Gebäude Gestalt annehmen ließ.
Die vier Wohnungen des Art-Déco-Hauses sind ungewöhnlich schön und funktional geschnitten. Der Doppelerker verleiht den Räumen eine interessante, reizvolle Ausstrahlung. Bereits bei seiner Errichtung erhielt das Haus großzügige Badezimmer innerhalb der Wohnungen und geräumige Balkone. Das Treppenhaus mit Terrazzo-Stufen ist breit und lichtdurchflutet.
Laut Greizer Adreßbuch blieb die Firma Rietsch & Weder nach der Fertigstellung des Art-Déco-Hauses zunächst dessen Eigentümer. Möglicherweise mutete sein Baustil (trapezförmiger Turm, Doppelerker, Ornamentik) den Zeitgenossen so fremdartig an, dass das wahrscheinlich als Spekulationsbau errichtete Gebäude zunächst keinen Käufer fand.
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